ZORATS KARER

© Übersetzung von Christa Nitsch. Alle Rechte vorbehalten.

Eine Armee von Menhiren besetzt die vom eisigen Wind abgeschliffene Hochebene unweit der großen Straße, die nach Stepanakert führt. Es sind mehr als 200. Manche wiegen bis zu 10 Tonnen. Beeindruckend. Aber das Rätsel ist so schwer zu lösen, dass man schnell aufgibt. Und da man über diesen megalithischen Komplex von Karahundsch nichts weiß, behauptet jeder, was ihm gerade passt, Mögliches und Unmögliches. Wenn man ihn auch Zorats Karer nennt, so deshalb, weil man in ihm einen Soldatenfriedhof vermutet. Man kommt in vollen Bussen hier an und fährt eiligst wieder ab. Denn Stein bleibt Stein. Und roher Stein spricht nicht zum Geist. Aber das hier ist kein Zufall. 70 dieser Steinblöcke sind von Löchern durchbohrt, die einen Durchmesser von fünf bis sieben Zentimetern haben. Überhaupt lässt ihre Anordnung in Kreis und Linie eine Absicht vermuten. Welche? Wer weiß das schon! Armenische Gelahrtheit macht aus Karahundsch eine Sternwarte. Würde man nämlich in diese Löcher dünne Obsidianplättchen einfügen, könne man die Mondphasen und während der Sonnenwenden den Aufgang der Sonne verfolgen. Daraus aber müsse man schließen, dass die alten Armenier ihren Himmel genau kannten. Denn zu jener Zeit, vor 7500 Jahren – so die gelahrten Armenier von heute – waren unsere Löcherbohrer, quod erat demonstrandum, schon Armenier.

                Auf dem Gebiet wissenschaftlicher Abstrusitäten gibt es eine, die sich auf die Etymologie beruft. Teufel auch! Wie kommt es, dass sich Karahundsch und Stonehenge wie ein Tropfen Whisky und ein Tropfen Cognac gleichen? Und in der Tat: wenn kara und stone auf Stein verweisen, so weisen hundsch und henge, so schön, so nah – ins Nichts. Hundsch soll eine hypothetische Variante von „Stimme, Laut oder Echo“ sein und hendge müsste irgendwie mit to hang in Verbindung gebracht werden und bedeutet also „hängend“. Das verschlägt einem die Sprache! Da bleibt einem die Spucke weg! Aber Vorsicht! Man hängt sich an eine Erklärung, die sich auf Biegen und Brechen nicht beweisen lässt…

(Übersetzung aus dem Französischen von Christa Nitsch. Denis Donikian, Siounik Magnificat, „Zorats Karer“, Actual Art, Erevan 2010, S.18.,  oder http://ddonikian.wordpress.com/?s=Zorats+karer )

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Über christanitsch

Liebe Besucher, auf diesem Blog werdet Ihr meine Übersetzungen aus dem Französischen, Ungarischen und Rumänischen finden. Allen ist gemeinsam, daß sie armenische Themen zum Inhalt haben. Auf diese Weise sollen auch dem deutschen Publikum armenische Zusammenhänge deutlicher werden. Christa Juliane Nitsch
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3 Antworten zu ZORATS KARER

  1. Pingback: Zorats karer « Marcher en Arménie

  2. mirakeldave schreibt:

    wirklich ein sehr faszinierender ort, wir waren dort. eine deutsche wissenschaftliche untersuchung ergab allerdings, dass die steine weniger alt sind als angenommen… das müsste man nochmals ganz genau überprüfen…

  3. Alain BARSAMIAN schreibt:

    Malgré la pluie et l’orage , en Mai dernier , Zorats Karer est un site absolument impressionnant,
    La météo qui nous désavantageait pour y faire des photos, mais que nous avons tout même réussi à faire…donnait à ce lieu une atmosphère encore plus primitive , mais d’une humanité que nous avions du mal à réaliser et à qualifier sur le moment….c’était magnifique mais si court …!!!

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