AUFBRUCH

 Aufbruch aus Sissian

Am Morgen verlassen wir das Hotel. Verlassen die Stadt. Sissian. Auf, auf ins Unbekannte! Der Schritt ist beschwingt, der Rücken bepackt, und der weite Raum vor uns ruft und lockt und sein Reiz ist stark. Die Menschen gehen ihrem Tagwerk nach. Und wir gehen auf das Unbestimmte zu. Sie beeilen sich, um irgendeiner Pflicht nachzukommen. Und wir kennen keine andre Begrenzung als die unsres Atems. Sie sehen nichts, weil sie schon alles gesehen haben. Und wir genießen unbeschwert die Zeit, die sich uns schenkt. Man schaut uns nach: wir bieten einen ungewöhnlichen Anblick, frei und fast wie im Fieber bei dem Gedanken, dieser Stadt zu entkommen, um endlich in jenen Augenblicken heimisch zu werden, von denen wir wissen, dass sie einzigartig sind. Die Bäume, unter denen wir jetzt entlanggehen, haben die Freuden unbeweglicher Tänzer. Bald die letzten Häuser. Die Straße, in ihrem zerschlissenen Rock, steigt aufwärts. Ein einsamer Esel, traurig wie ein einsamer Esel, scheint in seiner Weide einzementiert wie eine Statue in ihrem Sockel. Und bald liegt die ganze Stadt zu unseren Füßen. Pflanzenüberwucherte Stadt in einem Sommer, der zu Ende geht. Stadt, die sich im unermesslichen Tal bequem reckt und streckt wie eine Schleppe, deren Faltenwurf vom Kegel ihrer mehrhundertjährigen Kirche herabfließt. Noch ein bisschen weiter hinauf, und da – sie verschwindet. Und vor uns jetzt die Straße, die sich hinschlängelt in der Stille, welche nur selten von einigen Autos unterbrochen wird. Verrückt rumpeln sie dann über die Spurrillen. Stille.

Unsere Straße(Übersetzung aus dem Französischen. Denis Donikian, Siounik Magnificat, „Partir, Actual Art, Erevan 2010, S.19. oder http://ddonikian.wordpress.com/2010/02/20/partir/

© Übersetzung von Christa Nitsch. Alle Rechte vorbehalten.

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Über christanitsch

Liebe Besucher, auf diesem Blog werdet Ihr meine Übersetzungen aus dem Französischen, Ungarischen und Rumänischen finden. Allen ist gemeinsam, daß sie armenische Themen zum Inhalt haben. Auf diese Weise sollen auch dem deutschen Publikum armenische Zusammenhänge deutlicher werden. Christa Juliane Nitsch
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